Deutschland erlebt einen Boom an Wohnangeboten für Senioren, besonders im suburbanen Raum. Trotzdem reichen die Neubauzahlen nicht aus, um die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu stopfen.

Der geringe Bestand in Kombination mit einer langfristig hohen Nachfrage sowie die relativ hohen Renditen um 4,5% bescheren Deutschland einen “Boom im Bau von betreuten Wohnungen”. Zu dieser Schlussfolgerung kommen die Researcher des Marktforschungsunternehmens Bonard. Die Planungen umfassten derzeit rund 400 Projekte, die dem deutschen Markt etwa 16.500 zusätzliche Betten oder Apartments in dem Sektor bescheren werden. Das geht aus dem Senior Living Market Report Germany hervor, den Bonard in Kooperation mit dem Asset-Manager Mozaic herausgegeben hat.

Für den Bericht wurden 20 Standorte in Deutschland identifiziert, in denen der Anteil von Personen im Alter ab 75 Jahren besonders hoch ist. Dazu zählen alle sieben A-Städte, aber auch Orte wie Chemnitz, Bielefeld oder Wuppertal. In diesen 20 Städten umfasse die Pipeline 52 Projekte mit rund 3.100 geplanten Einheiten.

Suburbane Baby-Boomer finden kaum Angebote

Trotz des diagnostizierten “Bau-Booms” wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht geringer. “Die Pipeline in den 20 führenden Städten reicht nicht einmal aus, um die Versorgungsrate auf dem derzeitigen niedrigen Niveau zu halten. Der prognostizierte Anstieg bei der Zahl der über 75-Jährigen wird den Zuwachs an neuen Wohnungen übertreffen”, hält der Bericht fest. Derzeit liegt die Versorgungsquote – in diesem Fall ist damit das Verhältnis von Anzahl der Personen im Alter von 75 Jahren oder mehr zu den verfügbaren Wohneinheiten gemeint – in keiner der 20 Städte oberhalb von 10%. Demzufolge verzeichnet Bonn mit 7,7% die höchste Versorgungsquote, gefolgt von Nürnberg mit 6,9% und Stuttgart mit 6,8%. Duisburg, Bielefeld, Berlin und Köln haben hingegen den stärksten Mangel mit Versorgungsquoten zwischen 2,3% und 2,9%.

Aufgrund der hohen Bodenpreise und der geringen Verfügbarkeit von Objekten zur Umnutzung in den Stadträumen fokussieren sich viele Entwickler auf kleinere Städte. “Die Verlagerung von Projekten aus den Großstädten in kleine Städte oder Stadtrandgebiete ist ein herausragendes Merkmal des deutschen Marktes”, erläutern die Marktbeobachter von Bonard.

Allerdings ist es möglich, dass damit auch schlicht einer Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte Rechnung getragen wird. Das geht aus einer Studie hervor, die von der in Mainz ansässigen Bewertungsgesellschaft ENA Experts und dem Beratungsunternehmen Drees & Sommer (Dreso) erstellt worden ist. “Suburbia als Investmentstandort für Betreutes Wohnen?” nimmt besonders die demografischen Veränderungen im suburbanen Raum unter die Lupe. Wie auch schon in der Untersuchung von Bonard und Mozaic wurden anhand der absoluten Seniorenzahlen jene Kreise mit dem höchsten Potenzial für den Sektor ermittelt. Unter diesen 35 Kreisen befinden sich 14 Großstädte und 20 Regionen, die als suburbaner Raum definiert werden. Demnach sind diese Gebiete aufgrund der “Suburbanisierungsprozesse der vergangenen Jahrzehnte” in Zukunft besonders stark von einer Veränderung der Altersstruktur in der Bevölkerung betroffen. “Die Bevölkerungsgruppe 65plus wird im Umland der Städte auch zukünftig quantitativ hohe Zuwachsraten verzeichnen und einen wachsenden Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen, da die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre während der 1980er und 1990er Jahren verstärkt in den suburbanen Raum zogen”, analysiert die Studie.

Wie schon frühere Publikationen geht auch die Erhebung von ENA und Dreso von einer Unterversorgung mit Wohnangeboten für Senioren in den meisten Kommunen aus. Beim betreuten Wohnen bestehe diese in 95% aller Kommunen, lautet die Schlussfolgerung. Derzeit fehle es deutschlandweit bei einem angenommenen Bedarf von 4,5% der Bevölkerung im Alter ab 65 Jahren an rund 500.000 betreuten Wohneinheiten. Anhand der Bevölkerungsdaten der 20 Potenzialgebiete des suburbanen Raums errechnet die Studie, dass dort insgesamt 99.219 betreute Wohneinheiten gebraucht werden. Und diese Zahl wird steigen, hält die Analyse fest: “Für das Prognosejahr 2030 wird ein Bedarf von 120.553 Wohneinheiten des betreuten Wohnens vorausgesagt.”

 The full German Senior Living Market Report can be downloaded here.

 

The article was originally published on Immobilien Zeitung (December 2020) at the following link.
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